Für mich ändert sich in Corona Zeiten kaum etwas, ich bin sowieso viel zuhause und genieße die Ruhe.

Emotional merke ich jedoch, wie ich gerade in diesen Zeiten auch oft hin- und herumgeworfen werde. Es treiben mich die üblichen Fragen um: „Wofür ist das gut?“, „Wo wird das ganze hinführen?“ usw.

Was mich heute am meisten beschäftigt, ist die Hoffnung, dass mehr Menschen verstehen, in was für einem verrückten System wir uns verstrickt habe: GELD.

Gäbe es kein Geld, wäre Corona weniger ein Problem. Menschen müssten sich keine Sorgen machen, wie sie arbeiten sollen, ohne sich anzustecken, wie sie ihre Miete bezahlen sollen und wie genügend Geld reinkommt um die Familie und sich selbst zu versorgen, ja letztendlich dieses blöde Klopapier zu kaufen.

Kaufen – Kaufen – Kaufen – darum drehen sich unsere Fallstricke.

Vielleicht ist es an der Zeit jetzt zu erkennen, dass dieses, vom Menschen selbst geschaffene System irrsinnig ist.

Eigentlich haben wir alles, wenn wir im Einklang mit der Natur leben würden.

Ich hatte das Glück, vor 17 Jahren in einem kleinen Dorf im Himalaya mehrere Monate zu verbringen. Das Dorf Lingshed war damals nur in einem 3 tägigen Fussmarsch über mehrere 4000 bis 5000 Meter hohe Gebirgspässe zu erreichen.

Die Menschen lebten dort seit 1100 Jahren, so alt war ist das Kloster zumindest dort. Könnt ihr euch vorstellen, was auf 3800 Metern in diesem Dorf wächst?

Es gibt Gerste, Erbsen und spinatähnliches Grünzeug. Es gibt einen wunderbaren Gebirgsbach. Es können einige Ziegen und Yaks gehalten werden.

Der Sommer dauert nur ein paar Monate, der Rest des Jahres ist Winter, Eiseskälte und Schnee.

Waren die Menschen dort glücklich? 

Ich würde sagen „Ja“, bis auch dort das Geld ankam und das passierte dort erst vor wenigen Jahrzehnten. Gerade hier ist die Entwicklung aus moderner Sicht gut zu beobachten und in dem Buch von Helena Norberg-Hodge „Leben in Ladakh“ (1993) beschrieben.

Die Menschen pflanzten ihr Getreide an, sie halfen zusammen bei der Bewirtschaftung, sangen Lieder. Im Winter ruhten sie, erzählten sich Geschichten und sie suchten ihr Kloster mit den Mönchen auf. 

Die ein oder andere Stimme mag jetzt Einwände bringen „ach…es war bestimmt auch hart“ oder „es hört sich schöner an als es war“…Wir wissen es nicht, aber ich weiß eines, ich habe nie in meinem Leben so frei und stolz wirkende Menschen erlebt, die von einer Kraft und Unabhängigkeit und Gutherzigkeit nur so strahlten.

Sie waren unabhängig und glücklich!!!

Dann kam das Geld, Touristen kamen und baten Geld, dass die Menschen ihnen das Land zeigten. Es bestand die Möglichkeit gegen Geld im Dorf zu übernachten. Das Geld verströmte die Wirkung: Erstmalig hatten die Menschen im Dorf keine Zeit mehr um sich gegenseitig zu helfen, sie konnten ja nun Geld verdienen. 

Zeit wandelte sich in Geldwert.

Lasst euch das auf der Zunge zergehen. Wir sind Sklaven des Geldes und geben dafür unsere Zeit…

Ladakhis brauchten aber eigentlich nie Geld, sie konnten einmal etwas ihrer Waren tauschen und grundsätzlich hatten sie auch alles.

Doch auch hier entstanden Wünsche, in der Stadt sahen sie ein Radio, Kochtöpfe, Stühle aus Plastik. Dafür war das Geld gut, Güter strömten in das Dorf, aber es waren Güter, die eigentlich nicht notwendig waren, ganz im Gegenteil, das Plastikzeugs und die Klamotten aus China landeten früher oder später im Bach…weil eine Müllhalde war früher nie notwendig!!!!

Und die Radios brauchten Batterien, also brauchte man wieder Geld und die Kinder wollten Süßigkeiten…der Wirtschaftskreislauf begann auch hier

Und die Menschen hatten keine Zeit mehr!!!!

Heute gibt es in Lingshed eine Strasse, Handyempfang und Internet…sind die Menschen glücklich? Ich weiß es nicht und wage es nicht mehr zu beurteilen.

Was ist dein Glück? Was ist die Definition von Glück.

Diese Frage hat gerade in diesen Corona-Zeiten neue Dimensionen bekommen:

Was ist dein Glück, wenn der Wirtschaftskreislauf stockt?

Was kommt hervor, wenn wir uns nicht mehr hinter der Aussage „Ich habe keine Zeit!“ verstecken können?

Auch mich beschäftigen natürlich all diese Themen und ich überlege, wie Lebenskonzepte mit mehr Anbindung an die Natur und mehr Zeit funktionieren könnten, 

Ich wünsche euch viele Herzenmenschen um euch herum und viel gute Zeit und natürlich viel Gesundheit.

Eure Daniela Tarejya Herbst

😉 und Handy und Netflix aus, auch wenn ihr dann meine Beiträge nicht mehr lest…seid bei euch und eueren Lieben.

P.S. Ich danke allen Menschen, die mich in Ladakh begleitet haben, mich beschützt haben, mich zum Lachen gebracht haben. Danke dass ihr auf diesen Fotos seid Jullay Jullay.

Am Sengge La Pass (4.700 Meter) auf dem Weg nach Lingshed mit Yampell und Nonne Tsering
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